Princy wurde, soweit wir in Erfahrung bringen konnten, am 1.1.2002 in Antalya in der Türkei geboren und kam von dort mit einer Familie nach Deutschland. Diese Familie schien ihr alle notwendigen Dinge beigebracht zu haben. Sie war dort vermutlich auch in einer Hundeschule und beherrschte den sog. Grundgehorsam.
Sie konnte gut mit Kleinkindern und mit anderen Tieren, reagierte auf die Grundbegriffe wie Sitz, Platz, Halt, Bleib und deren Sichtzeichen und hatte keine Probleme mit anderen/fremden Menschen. Körperkontakt schien sie, in einem gewissen Rahmen, zu mögen.


Princy nahm sich viel Zeit, bis sie sich auf einen anderen Hund oder einen Menschen einliess.
Schnelle Bewegungen, unruhige Junghunde und bellende/streitenden Hunde mochte sie nicht. Sie versuchte sich oft als Schlichter und war sehr sensibel.

Wir haben erfahren, dass Princy Mitte 2004 in eine Pflegefamilie gegeben wurde, da ihr damaliges Frauchen sich wegen einer dauerhaften Behinderung (Folge eines Verkehrsunfalles) nicht mehr um sie kümmern konnte.
Von dort kam sie bald zu einem neuen Frauchen, das bereits einen anderen Hund hatte. Beide Hunde sollen miteinander sehr gut verträglich gewesen sein, Princy wurde als „der perfekte Hund“ beschrieben. Wegen eines Umzugs wurden beide Hunde für wenige Tage in einer Hundepension untergebracht und was dort vorgefallen sein muss, liegt ziemlich im Dunkeln.
Als beide Hunde abgeholt wurden, waren sie komplett unverträglich, bei Princy bestand diese Unverträglichkeit seit dieser Zeit auch gegenüber allen anderen Hunden.
Es wurde so schlimm, dass ihr damaliges Frauchen sich entschloss, Princy wieder abzugeben.
Princy, die ehemals ruhige, aufgeweckte und liebe Hündin hat sich zu einer waren Furie entwickelt. Wie wir erfuhren, soll sie einen Menschen gebissen und jeden Artgenossen als Feind gesehen haben.
Princy kam wieder zu einem Pflegefrauchen, dort haben wir sie getroffen.
Bei ihrem Pflegefrauchen ging es ihr sehr gut, aber das Problem mit anderen Hunden blieb bestehen.
Nachdem wir uns für sie entschlossen hatten, baten wir darum, sie vorher noch kastrieren zu lassen und einen kaputten Zahn zu entfernen.
Das war ihre Rettung.

Bei der OP stellte sich heraus (das haben wir erst viel später zufällig erfahren), dass ihr kompletter Eierstock vereitert war und sie elende Schmerzen gehabt haben musste. Die Schmerzen waren evtl. auch ein Grund, warum sie sich verändert hat und „bissig“ wurde.
Den Grund ihrer Aggression andern Hunden gegenüber vermuten wir, lag hauptsächlich an der Pension, in der sie mit dem anderen Hund untergebracht war.
Im Nachhinein habe ich von mehreren Leuten gehört, dass ihre Hunde nach dem Aufenthalt in dieser Pension verletzt oder sogar gestört waren.
Allem Anschein nach wurde sie in dieser Pension von andern Hunden angegriffen oder so sehr in die Ecke gedrängt, dass sie das für ihr restliches Leben geprägt hat.
Sie wurde zum Problemfall. Naja, die Hundepension ist inzwischen seit ein paar Jahren geschlossen.
In der Hundeschule hat sie gelernt, Bindung und Vertrauen hauptsächlich zu mir zu bekommen.
Vertrauen zu mir - und natürlich grundsätzlich - ist sehr wichtig, damit sie es akzeptieren konnte, wenn ich etwas entschied.



Etwa acht aufreibende Monate hat es gedauert, bis ich das Gefühl hatte, dass sie Bindung zu mir aufgebaut hat. Tränen sind geflossen, Selbstzweifel und Versagensängste waren an der Tagesordnung.
Bis ich mich für Konsequenz und Führung entschied. Das war das Wichtigste für sie. Princy brauchte einen Leithammel. Warum nicht gleich so? Müsste ich als damaliger Hundeanfänger doch eigentlich wissen, oder?
Sie braucht Führung! Klar!


Dann musste ich lernen, dass nicht jeder Hund aufgeweckt, lustig und agil ist.
Nicht jeder Hund springt auf, wenn man ihn ruft und nicht jeder Hund hüpft freudig vor dir her, wenn es „Gassigehen“ heißt.
Princy schien eine etwas lethargische und gemütliche Hündin zu sein, die nur dann so richtig in Wallung kam, wenn sie ein „Oachkatzl“ oder einen Hasen jagen konnte. Dann war sie nicht wieder zu erkennen und durch nichts aufzuhalten. Nach Mäusen buddeln war eine ihrer liebsten Beschäftigungen, der sie stundenlang nachgegehen konnte.






Natürlich konnte sie auch mal so richtig ausflippen, man konnte sie zum Toben animieren und wie von Sinnen durch die Gegend rennen sehen - aber Standard war das nicht.

Spielen schien sie nie richtig gelernt zu haben. Eine Bekannte, die einmal als Hundetrainerin tätig war, zeigte uns, wie wir ihr mit Leckerli-Verstecken in Papier oder im Socken das Spielen beibringen können. Damit haben wir sie dann auch gekriegt.   :)

Es war sehr schwierig mit ihr und oft habe ich mich gefragt, ob mein Verhalten schuld ist. Niemals jedoch habe ich auch nur einen Gedanken daran verschwendet, sie wieder herzugeben. Es war Schicksal, dass sie mir drei Mal bei meinen Recherchen von verschiedenen Stellen im Internet angeboten wurde. Es sollte so sein.
Zwischenzeitlich hatte sie sich zu einer sehr angenehmen „Mitbewohnerin“ entwickelt. Andere Hund liess sie souverän links liegen oder beschnupperte sie, unbekannte Gegenstände (Müllcontainer, parkende Autos), vor denen sie zu Anfang Panik hatte, waren akzeptabel, wenn ich sie vorsichtig herangeführt habe. Mit Menschenmassen kam sie später gut klar. Allerdings musste ich immer ein Auge auf sie haben, wenn ein anderer Hund überraschend zwischen den vielen Menschen auftauchte, dann nämlich konnte sie aggressiv werden.




Sie schien uns immer mehr zu vertrauen, testete immer mal wieder ihre Grenzen (bei uns) und unsere Grenzen aus und hatte schon soooo viel gelernt.
Positive Bestärkung wirkte bei ihr am besten, wenn ich auch zugeben muss, dass Princy ab und zu auch mal eine härtere Gangart brauchte :) - wobei wir natürlich niemals Gewalt angewendet haben.  
Sie konnte manchmal stur wie ein Maultier, launisch und zickig sein.

Am Donnerstag, 1. März 2007 um 12:18 Uhr habe ich unsere Süsse nach kurzer aber schwerer Krankheit erlösen müssen.
Sie gab mir/uns klare Zeichen, dass für sie der Zeitpunkt gekommen war zu gehen,
nachdem sie noch von all ihren Lieblingsplätzen Abschied genommen hat.

Princy,
Du warst eine harte Nuss, die wir leider nie ganz knacken konnten, aber wir waren nahe dran.
Mit Dir sind wir durch eine harte und lehrreiche Schule gegangen.
Du hast es uns nie einfach gemacht aber davon profitieren wir heute - DANKE!

Wir haben Dich in unserem Herzen!